Seit Jahren spricht sich Ruth López gegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen in El Salvador aus. Sie ist national und international dafür bekannt, Korruption und Verstösse gegen Verfahrensregeln innerhalb staatlicher Institutionen aufzudecken. Die Rechtsanwältin und Menschenrechtsverteidigerin hat ihr Leben der Gerechtigkeit und dem Schutz der Rechtsstaatlichkeit gewidmet – bis sie selbst zur Zielscheibe wurde.
Seit 2021 war Ruth López als Direktorin der Abteilung für Korruptionsbekämpfung und Justiz bei der Menschenrechtsorganisation Cristosal tätig, wo sie hochkarätige Ermittlungen leitete und mindestens 15 Strafanzeigen wegen mutmasslicher Korruption und Veruntreuung öffentlicher Gelder einreichte. Im Dezember 2024 nahm die BBC sie in ihre Liste der 100 inspirierendsten und einflussreichsten Frauen der Welt auf. Doch ihr Engagement war der Regierung El Salvadors ein Dorn im Auge.
Am 18. Mai 2025 wurde Ruth López in ihrer Wohnung in der Hauptstadt San Salvador von Beamt*innen der Nationalen Zivilpolizei festgenommen. Ihr wurde Unterschlagung vorgeworfen, die angeblich mit beratenden Funktionen zusammenhing, die sie während früherer Regierungen bei staatlichen Institutionen innegehabt hatte. Sie wurde Opfer von Verschwindenlassen, da sie nach ihrer Festnahme mehr als 40 Stunden lang ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten wurde, ohne Zugang zu ihren Anwälten oder ihrer Familie.
Am 4. Juni 2025 ordnete ein Richter sechs Monate Untersuchungshaft an, während die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen fortsetzte. Einsprüche gegen diese Entscheidung wurden trotz schwerwiegender Bedenken über die Rechtmässigkeit dieses Verfahrens zurückgewiesen. Ruth López wurde daraufhin in eine Justizvollzugsanstalt in Izalco verlegt.
Amnesty International betrachtet Ruth López als Gewissensgefangene, die wegen ihres friedlichen Engagements für die Menschenrechte inhaftiert wurde. Ihre Inhaftierung ist symbolisch für das allgemeine harte Vorgehen der salvadorianischen Behörden gegen Menschenrechtsverteidiger*innen und die Zivilgesellschaft. Seit 2019 hat die Regierung Rechtsreformen und Sicherheitsmassnahmen umgesetzt, die die Unabhängigkeit der Justiz untergraben, das Recht auf freie Meinungsäusserung und Vereinigungsfreiheit unverhältnismässig einschränken und eine weitreichende Kriminalisierung abweichender Meinungen ermöglichen.
Ruth López’ Fall ist besonders bezeichnend, da er sich gegen eine anerkannte Rechtsanwältin richtet, die innerhalb institutioneller Rahmenbedingungen tätig ist. Dies deutet auf eine Ausweitung der Repression hin, die nun auch Fachleute und Jurist*innen erfasst und sektorübergreifend Angst und Selbstzensur schürt. Internationale und regionale Menschenrechtsgremien, darunter die Interamerikanische Menschenrechtskommission und mehrere Sonderverfahren der Vereinten Nationen, haben den Schutz und die Freilassung von Ruth López gefordert.
Setzen Sie sich für die Freilassung von Ruth López ein – unterschreiben Sie jetzt die Petition!